| Herbst-Blatt Nr.17, Dezember 1999 |
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Peter Trautner – ein Unnaer KünstlerOben auf der Anhöhe des Breitenbach-Geländes am Hellweg ist in der leerstehenden Maschinenfabrik wieder Leben eingezogen. Genutzt wird ein Teil der Breitenbach-Halle seit ca. zwei Jahren von dem heimischen Stadtkünstler Peter Trautner. Sein Name gehört zu den Topp-Adressen der Unnaer Kunstszene. Doch bis dahin gab es für das in Essen geborene Allroundtalent Höhen und Tiefen im Leben. Seine Kindheit war von der Kunst geprägt. Der Großvater war Musiker, die Mutter Pianistin. Am liebsten aber saß er im Musikgeschäft seiner Großmutter. Ein Treff für Komponisten und Musiker, erinnert sich der Künstler. So war es nicht verwunderlich, dass der junge Trautner sich der Kunst widmen würde. Aber erst hieß es: “Der Junge soll einen anständigen Beruf lernen.” Nach diversen Schulbesuchen folgte eine Ausbildung als Maschinenschlosser. Auf dem zweiten Bildungsweg am Abendgymnasium holte er dann das Abitur nach und begann ein Studium als Sozialpädagoge. Doch Künstlerblut floss in seinen Adern. So brach er das Studium ab, um sich der Malerei zu widmen. Als Autodidakt brachte er sich das künstlerische Handwerk bei. Mit allerlei Jobs verdiente er seinen Lebensunterhalt. Ob Fließbandarbeiter, LKW-Fahrer, Postbote oder Werkzeugmacher, er nahm jede Arbeit an, um sich über Wasser zu halten. 1979 kam er für ein Jahr als Kulturarbeiter nach Unna. Jetzt konnte er der Kunst seine volle Aufmerksamkeit widmen. Bald legte er den Pinsel beiseite und begann mit der Bildhauerei. Die unterschiedlichsten Materialien nehmen unter seinen Händen Form und Gestalt an. Holz, Aluminium, Stahl, Bronze, Alabaster, Stein und Keramik.... "Vor mir ist kein Material sicher", lacht der sympathische Künstler. "Meiner Experimentierfreude sind keine Grenzen gesetzt, mich reizt stets das Neue - aber Glas hat etwas Besonderes." Glas-Engel-Skulpturen, Drachenköpfe, Monster, Auseinandersetzung mit der mythologischen Figur des Ikarus und anderen Vorstellungen der Antike sind immer wiederkehrende Themen in seinen Arbeiten. Die Bewegung spielt eine wichtige Rolle, wobei die Vielfältig- und Vielschichtigkeit, die sich mit dem Phänomen Fliegen verbindet, in seinen Bildern und Skulpturen zum Schwerpunkt wird. Dabei fällt in seinem Atelier der Blick auf eine kleine Bronzefigur. Ein mystisches Wesen mit viel zu kleinen Flügeln sitzt auf einem Felsblock - unfähig zu fliegen. "Das ist Ikarus", sagt Peter Trautner, "mir geht es nicht um die Deutung und Aussage des Ikarus-Mythos. Mich interessieren die Menschen von heute. Ich halte ihnen einen Spiegel vor. Ikarus ist für mich das Sinnbild für Hochmut. Ikarus überschätzte seine Fähigkeit. Mein Ikarus ist schlau wie sein Vater Dädalus, hat aber den Mut der Jugend, die das Gefühl hat, Flügel zu haben, um sich über alles zu erheben, dann aber doch den Rückzieher macht." So tragen sämtliche Arbeiten Botschaften als Vermittler zwischen Anliegen und Öffentlichkeit. Das ist seine Art Kunst herzustellen. Sie signalisiert Auseinandersetzung. Peter Trautner arbeitet stets an mehreren Kunstobjekten gleichzeitig. Er ist überall mit der gleichen Präzision und Fertigkeit zu Hause. Das weite Feld der Kunst lässt sich wunderbar unter einen Hut bringen, ohne von seinem Facettenreichtum einzubüßen. Beobachtungen und Ideen fängt er spielerisch und phantasievoll in Gedanken ein, sammelt sie im Kopf oder als kleine Skizzen auf losen Blättern oder in den vielen Skizzenbüchern, um sie dann irgendwann wieder auftauchen zu lassen. Für den eben gefundenen Stein ist die fertige Skulptur bereits gespeichert. |
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Auch mit Auftragsarbeiten hat er keine Probleme. Im Museums Shop steht eine Bronzefigur. Wandbilder am Kindergarten unterm Regenbogen, am Kinder- und Jugendhaus Taubenschlag und viele andere Orte in Unna und ganz Deutschland tragen seine Handschrift. Unter anderem ziert jetzt eine farbenfrohe Landschaft die triste Wand eines Plattenbaues auf Rügen. Genauso gehören Radierungen und Porträts zu seinem Repertoire. Oft kommt ihn auch seine Maschinenschlosser-Vergangenheit zu Gute, wie bei dem für die Stadtwerke entworfenen Energiewesen "Winnifred". Das knapp vier Meter große Metallbauwerk steht auf der Wiese vor dem Stadtwerke-Neubau. |
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Gern würde er auch historische Punkte in der Hellweg-Region gestalten. An Ideen mangelt es nicht. Ein besonderer Reiz für ihn wäre es, eine Ausstellung in der Zeppelinwerft in Friedrichshafen mitzugestalten. Doch reine Spielerei ist sein Künstlerleben nie. Bewerbungen für Ausstellungen schreiben, Ausstellungen planen, die Werbung im Internet ausbauen und.... Im November, zum Geburtstag, wurde die Heizung in der Kunsthalle eingebaut. Auf einer Party für Freunde und Kollegen wurden in einer kleinen Präsentation neue Arbeiten vorgestellt. Kunstbegeisterte haben jederzeit die Möglichkeit sich umzusehen. Es lohnt sich, hereinzuschauen. Der Maler und Bildhauer fühlt sich in seiner Wahlheimat Unna wohl. "Unna ist total gemütlich, eine Stadt mit dörflichen Charakter. Keine hohen Häuser, die Fußgängerzone lässt den Blick zum Himmel offen", schwärmt Peter Trautner. Der auch außerhalb Unnas geachtete und respektierte Künstler ist in Unna einfach als "der Trautner" bekannt. Gisela Lehmann Siehe auch: Peter Trautners virtuelle Kunsthalle |
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