Herbst-Blatt Nr.18, März 2000 Herbst-Blatt

    Umgeblättert und abgerissen
    Teil 2

    Altgriechischer Kalender

    Die Griechen hatten Stadtstaaten, in denen jeweils eigene an der Umlaufbahn des Mondes orientierte Kalender mit 12 Monaten und Schaltjahren im 8- oder 19-Jahres-Zyklus angewendet wurden. Die Wissenschaftler Kallipos und Hipparch verbesserten den Kalender. 776 v. Chr. wurden die Olympischen Spiele eingeführt und alle 4 Jahre abgehalten. Ab dem 4. Jh. v. Chr. wurde in Olympiaden gerechnet. Die Jahre trugen den Namen des Siegers. 394 schafften die Römer die Spiele ab.

    Die Griechen setzten das Jahr 1 n. Chr. gleich mit dem Jahr 5509, dem Beginn ihrer Ära.

    Für uns in Europa ist der

    Römische Kalender

    derjenige, nach dem wir unser Leben einteilen.

    Er beruht auf geschichtlichen Ereignissen, nach denen der Trojaner Aeneas mit einer Schar Krieger auf der Flucht vor griechischen Truppen in Italien landete und die Stadt Alba Longa an der Küste gründete. Sie brachten womöglich auch ihren Kalender mit. Nach der Sage war eine der Nachkommen Rea Sylvia, die vom Kriegsgott Mars geheiratet wurde und die Zwillinge Romulus und Remus gebar. Deren Onkel ließ die Knaben aussetzen. Die Götter aber schickten eine Wölfin um die Kinder zu retten. Groß geworden rächten sie sich an dem Onkel und gründeten eine Stadt auf den Palatinischen Hügeln. Über deren Führung konnten die Brüder sich nicht einigen. Im Zweikampf tötete Romulus den Remus und nannte die Stadt Rom. Damit begann das Jahr 1 der Ära des Römischen Kalenders.

    Dieser Kalender hatte nur 10 durchnumerierte Monate und 304 Tage. Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurden die ersten 4 Monate mit Namen von Göttern bezeichnet. Gut hundert Jahre später wurden zwei Monate hinzugefügt, der Januarius mit 29 und der Februarius mit 28 Tagen. In der Zeit der Republik versuchten die Römer ohne Erfolg den Sonnenlauf im Kalender zu berücksichtigen. Danach wurde der Kalender immer verworrener. Es gab in jedem Monat Tage, die sich an festgelegten Daten orientierten (z.B. die Iden). 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn auf den 1. Januar festgelegt.

    Marcus Terentius Varro hatte die Idee, Jahre von einem festen Zeitpunkt an zu zählen. Er nahm das Jahr 753 v. Chr. (Gründung Roms) als Ausgangspunkt der Varronischen Ära. Darin wurden die Jahre nach Konsuln benannt.

    Souvenir aus Ägypten

    46 v. Chr. kam Cäsar aus Ägypten zurück und brachte neben dem Sieg auch einen neuen Kalender mit. Er beauftragte Sosigenes mit der Aufstellung. Jedes Jahr hatte nun 12 Monate und 365, alle 4 Jahre 366 Tage. Die Monate hatten 30 und 31 Tage, der Februar 28 bzw. 29 Tage, wobei im Julianischen Kalender der 24. Februar doppelt gezählt wurde. Diese Merkwürdigkeit ist heute noch in manchen Kirchenkalendern zu finden. Zum Dank benannte der Senat den alten Monat Quintilius in Julius um.

    Cäsars Kalender

    Soweit die Theorie. Die Beamten verstanden den Kalenderrhythmus nicht und verlegten das Schaltjahr ins 3. Jahr. Cäsars Nachfolger erkannte den Fehler und ließ zwischen 8 vor und 8 nach Chr. die Schaltjahre ausfallen. Danach ehrte er sich selbst und gab dem Monat Sextilius den Namen Augustus. So entstanden die Monatsnamen, die bis heute Gültigkeit haben.

    Dieser Kalender wurde überall, wo die Römer waren, verbreitet. Die christliche Kirche mit dem Oberhaupt in Rom vervollständigte den Siegeszug des Kalenders. Eine Änderung führte sie ab dem Mittelalter ein: Die Jahre wurden ab Christi Geburt gezählt. Die Idee hatte der Abt Dionysios Exiguus. Er mußte aber das Geburtsjahr Jesu schätzen. Für seine Berechnungen setzte er das Jahr 248 nach Amtsantritt Diokletians mit dem Jahr 532 n. Chr. gleich. Dieser Kalender verbreitete sich schnell und war überall in Europa gebräuchlich. Ein Nebeneffekt war, daß die Schaltjahre auf Jahre fielen, die sich ohne Rest durch vier teilen lassen.

    Johannes Keppler stellte 1606 fest, daß der Ausgangspunkt der Jahreszählung nicht stimmte. Der Stern von Bethlehem (ein Zusammenstehen der Planeten Jupiter und Saturn) wurde danach im Jahre 7 v. Chr. beobachtet. Heute ist der Kalender nicht mehr zu ändern.

    Er ist außerdem falsch, weil um 12 Minuten pro Jahr zu lang.

    Gerangel um das Oster-Datum

    Wirkung zeigte dieser Fehler vor allem beim Osterfest. Im Jahre 325 n. Chr. versuchte das Konzil von Nikäa (heute Türkei) das Osterdatum festzulegen, da es in vielen Kirchengemeinden Streit über das genaue Datum gab. Voraussetzung dafür war die Festsetzung des Frühlingsanfangs auf den 21. März (Tag- und Nachtgleiche). Ostern war dann der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang (Zusammenhang mit jüdischem Passah-Fest). Der Fehler wurde immer offensichtlicher, aber es dauerte noch bis 1582, als Papst Gregor XIII die Änderung per Dekret verkündete. Er ließ die 10 bis dahin angesammelten Tage einfach ausfallen (5.-14.10.1582). Weil der Julianische Kalender in 400 Jahren um 3 Tage vorging, erhielten nur die Säkularjahre einen Schalttag, die durch 400 teilbar sind (1600 und 2000).

    Eine Änderung betraf das Osterfest. Es beginnt zwischen dem 22. März und dem 25. April. Da für diese Änderungen keine wissenschaftliche Begründung vorlag, wurde der Gregorianische Kalender nur in den katholischen Ländern Italien, Portugal und Spanien angenommen. Als letzte führten ihn zum Anfang dieses Jahrhunderts Rußland, Türkei und China ein. Durch Weglassen eines Schalttages alle 4000 Jahre stimmt unser Kalender ganz genau mit dem Lauf der Erde um die Sonne überein.

    Endlich!

    Heinz Naß

    Siehe auch: Umgeblättert und abgerissen - Teil 1
                      Umgeblättert und abgerissen - Teil 3
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