| Herbst-Blatt Nr.18, März 2000 |
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Umgeblättert und abgerissen
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46 v. Chr. kam Cäsar aus Ägypten zurück und brachte neben dem Sieg auch einen neuen Kalender mit. Er beauftragte Sosigenes mit der Aufstellung. Jedes Jahr hatte nun 12 Monate und 365, alle 4 Jahre 366 Tage. Die Monate hatten 30 und 31 Tage, der Februar 28 bzw. 29 Tage, wobei im Julianischen Kalender der 24. Februar doppelt gezählt wurde. Diese Merkwürdigkeit ist heute noch in manchen Kirchenkalendern zu finden. Zum Dank benannte der Senat den alten Monat Quintilius in Julius um. |
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Soweit die Theorie. Die Beamten verstanden den Kalenderrhythmus nicht und verlegten das Schaltjahr ins 3. Jahr. Cäsars Nachfolger erkannte den Fehler und ließ zwischen 8 vor und 8 nach Chr. die Schaltjahre ausfallen. Danach ehrte er sich selbst und gab dem Monat Sextilius den Namen Augustus. So entstanden die Monatsnamen, die bis heute Gültigkeit haben. Dieser Kalender wurde überall, wo die Römer waren, verbreitet. Die christliche Kirche mit dem Oberhaupt in Rom vervollständigte den Siegeszug des Kalenders. Eine Änderung führte sie ab dem Mittelalter ein: Die Jahre wurden ab Christi Geburt gezählt. Die Idee hatte der Abt Dionysios Exiguus. Er mußte aber das Geburtsjahr Jesu schätzen. Für seine Berechnungen setzte er das Jahr 248 nach Amtsantritt Diokletians mit dem Jahr 532 n. Chr. gleich. Dieser Kalender verbreitete sich schnell und war überall in Europa gebräuchlich. Ein Nebeneffekt war, daß die Schaltjahre auf Jahre fielen, die sich ohne Rest durch vier teilen lassen. Johannes Keppler stellte 1606 fest, daß der Ausgangspunkt der Jahreszählung nicht stimmte. Der Stern von Bethlehem (ein Zusammenstehen der Planeten Jupiter und Saturn) wurde danach im Jahre 7 v. Chr. beobachtet. Heute ist der Kalender nicht mehr zu ändern. Er ist außerdem falsch, weil um 12 Minuten pro Jahr zu lang. Gerangel um das Oster-DatumWirkung zeigte dieser Fehler vor allem beim Osterfest. Im Jahre 325 n. Chr. versuchte das Konzil von Nikäa (heute Türkei) das Osterdatum festzulegen, da es in vielen Kirchengemeinden Streit über das genaue Datum gab. Voraussetzung dafür war die Festsetzung des Frühlingsanfangs auf den 21. März (Tag- und Nachtgleiche). Ostern war dann der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang (Zusammenhang mit jüdischem Passah-Fest). Der Fehler wurde immer offensichtlicher, aber es dauerte noch bis 1582, als Papst Gregor XIII die Änderung per Dekret verkündete. Er ließ die 10 bis dahin angesammelten Tage einfach ausfallen (5.-14.10.1582). Weil der Julianische Kalender in 400 Jahren um 3 Tage vorging, erhielten nur die Säkularjahre einen Schalttag, die durch 400 teilbar sind (1600 und 2000). Eine Änderung betraf das Osterfest. Es beginnt zwischen dem 22. März und dem 25. April. Da für diese Änderungen keine wissenschaftliche Begründung vorlag, wurde der Gregorianische Kalender nur in den katholischen Ländern Italien, Portugal und Spanien angenommen. Als letzte führten ihn zum Anfang dieses Jahrhunderts Rußland, Türkei und China ein. Durch Weglassen eines Schalttages alle 4000 Jahre stimmt unser Kalender ganz genau mit dem Lauf der Erde um die Sonne überein. Endlich! Heinz Naß Siehe auch: Umgeblättert und abgerissen - Teil 1 |