Herbst-Blatt Nr.21, Dezember 2000 Herbst-Blatt

    Steter Tropfen ...

    Sonnenuhr

    Nichts und niemand kann sich dem Ablauf der Zeit entziehen. Deshalb versuchten die Menschen sie zu messen. Die Anfänge lagen wohl in der Benutzung des eigenen Körpers, der einen Schatten warf. Dieser wurde Fuß vor Fuß gehend ausgemessen. Somit wußten die Jäger und Sammler, wieviel Tageslicht ihnen noch blieb. Wie meistens bestimmten militärische Ziele oder Forscherdrang die Notwendigkeit, bessere Zeitmessmethoden zu entwickeln. So ist bekannt, daß die Ägypter schon vor 5000 Jahren Sonnenuhren besaßen. China benutzte sie seit 3000 Jahren, den Inkas waren sie ebenso bekannt, und in Indien wurden um 1700 sehr große Sonnenobservatorien gebaut. Meist waren es Stäbe oder Säulen, die senkrecht in der Erde standen und deren Schatten durch Ausmessen der Länge oder durch Markieren der Richtung der Zeitmessung dienten. Mit ihnen waren keine genauen Ergebnisse möglich.

    Die Völker mit den ältesten Kulturen waren in der Erfindung von Zeitmeßsystemen sehr einfallsreich.

    So konstruierten die Ägypter ca. 3000 v. Chr. die ersten Wasseruhren, um unabhängig vom Sonnenlicht die Zeit messen zu können. Aus dem einen Gefäß fließend füllte das Wasser in einer bestimmten Zeit ein anderes Gefäß. Diese Methode wurde später von den Babyloniern übernommen, während die Inder ein Gefäß in einen Wasserbottich drückten, das dann nach einer gewissen Zeit vollgelaufen war. Beide Gefäße waren markiert, so daß auch kleinere Zeiteinheiten abgelesen werden konnten.

    Die Araber trieben die Entwicklung voran und machten den Zeitablauf hörbar, indem Figuren nach gewissen Zeitabständen Kugeln auf Gongs fallen ließen. Außerdem verwendeten sie Räderwerke, die Figuren an Fenstern vorbei wandern ließen.

    Karl der Große bekam 807 vom Kalifen Harun Al Raschid eine Wasseruhr geschenkt, in der zwitschernde Vogelautomaten die Stunden verkündeten. Eine ebenso großartige Uhr bekam Friedrich der Zweite vom Kalifen Saladin im Jahre 1232 überreicht.

    Die Chinesen automatisierten diese Uhren immer weiter und schufen erstmals einen Zeittakt. So konstruierte Su-Sung 1090 eine Wasseruhr für den Palastgarten von Kai-Feng. Das Bauwerk war 10 Meter hoch und pagodenförmig angelegt. In den fünf Öffnungen waren Täfelchen und Figuren mit Zimbeln und Gongs angebracht, die die Zeit anzeigten. Der Mechanismus bestand aus einem Rad von vier Meter Durchmesser, das von einem gleichmäßigen Wasserstrahl so angetrieben wurde, daß am Rad befestigte Behälter gefüllt wurden. Mit Erreichen eines bestimmten Gewichtes wurde eine Sperre solange gelöst, bis der nächste Behälter unter dem Wasserstrahl angelangt war. Die Täfelchen und Figuren wurden durch ein Hebelwerk bewegt.

    Kerzenuhr

    Weitere Zeiterfassungssysteme waren die meist in Klöstern verwendeten Kerzenuhren und die beim Militär und den Stadtwächtern gebrauchten Öluhren. Ab dem 14. Jahrhundert wurden in den Glasbläserhochburgen, wie z.B. Venedig oder Nürnberg, Sanduhren hergestellt. Mit zunehmender Verwendungsdauer wurden die Systeme allerdings immer ungenauer, weil zum einen das Glas abgeschliffen, zum anderen der Sand zermahlen und damit dünnflüssiger wurde.

    Zunehmender weltweiter Handel machte es erforderlich, Taschensonnenuhren, meist mit eigenem Kompass, zu bauen. Konstruktionspläne dafür lieferte der Benediktinermönch Veit Bild zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Zwar war seinerzeit vom römischen Kaiser Augustus die Einteilung von Tag und Nacht in jeweils 12 gleiche Abschnitte eingeführt worden, das machte die Sache für die Uhrenbauer jedoch nicht leichter. Erschwerend kam hinzu, daß je nach Entfernung vom Herstellungsort ganz andere Verhältnisse in Bezug auf den Sonnenstand herrschten.

    Die Verwendung von Räderuhren begann im 13. Jahrhundert. Die Schwierigkeit war, einen künstlich bewirkten periodischen Vorgang zu erfinden, der eine exakte Zeitmessung ermöglichte. Die wirtschaftliche Konkurrenz, steigende Produktionen und sich ausdehnender Handel führten zu einheitlichen Bemaßungen und Bezeichnungen mit zunehmender Vereinheitlichung. Zentrum in Deutschland waren die Handelshäuser der Fugger und Welser.

    Es gab viele Versuche, eine genaue Zeitmessung zu erreichen. Alfons der Zehnte (1252-1284), König von Leon und Kastilien, ließ Europas führende Wissenschaftler und Astronomen an seinen Hof rufen, um durch genaues Vermessen der Gestirne Zeittafeln erstellen zu lassen.

    Dabei wurde ein geniales Quecksilberuhrwerk mit Gewichtsantrieb erfunden, das ein sogenanntes Astrolabium in Bewegung versetzte. Die Uhr war trotzdem nicht sonderlich genau.

    Turmuhr

    Mit Erfindung der Räderuhren war es endlich möglich, den mechanischen Ablauf in viele gleichmäßige Einheiten zu unterteilen, die automatisch gezählt und addiert werden.

    In den ersten Uhren pendelte die sogenannte Waag, angetrieben von an Seilen hängenden Gewichten oder durch Federn, die sich entspannten. In den zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfundenen Rädertaschenuhren befand sich die Unruh. Berühmte Räderuhren sind in England zu finden ebenso am Prager Rathaus und am Markusplatz in Venedig.

    Unsere heutigen Uhren zählen die Zeit durch schwingende Quarzatome, die Energie wird durch Elektrizität geliefert.

    Heinz Naß

    Siehe auch: Umgeblättert und abgerissen - Kalendersysteme, Teil 1
                      Umgeblättert und abgerissen - Kalendersysteme, Teil 2
                      Umgeblättert und abgerissen - Kalendersysteme, Teil 3

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