| Herbst-Blatt Nr.21, Dezember 2000 |
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Kunst in GlasZu den meistbeschäftigten Künstlern im heimischen Raum zählt zweifelsfrei Wilhelm Buschulte, und er hat noch lange nicht vor, die Hände in den Schoß zu legen. In den Atelierräumen gibt es auf riesigen Tischen und an den Wänden eine Vielzahl von Arbeiten der unterschiedlichsten malerischen Motive und Techniken, künstlerische Werke in Oel, Aquarell, Tempera oder Kreide, Skizzen und Radierungen. Wilhelm Buschulte liebt die Schönheit der Natur und setzt sie in seinen Arbeiten um. In den zahlreichen Schubladen liegen geordnet Entwürfe und Studienblätter. Von einer Wand hängen auf- und abrollbare Papierbahnen herunter. Hierauf entstehen Entwürfe für Kirchenfenster, übertragen in die Originalgröße vom kleineren Vorentwurf. Mit Sorgfalt überwacht er auch die Ausführung der Arbeiten in der Glaswerkstatt. Sein Talent zum Zeichnen technischer Dinge besteht seit seiner Schulzeit. So sollte der junge Buschulte nach dem Willen der Eltern Maschinenbau studieren. Aber 1942, nach dem Gymnasium, mußte er in den Krieg.
Eine Verwundung machte ihn kriegs-untauglich. Jetzt hatte er die Möglichkeit, ein Studium an der Kunstakademie in München zu bekommen. "Das war damals so. Vorausgesetzt natürlich ein entsprechen-des Talent," erzählt der Künstler. "Doch auch während des Studiums gab es noch erhebliche Schwierigkeiten. Mal war kein Material vorhanden, mal konnten die Räume nicht genutzt werden. Aber irgendwie klappte es dann doch immer wieder - organisieren und improvisieren, das bringt ein Krieg so mit sich." Während des Studiums kam Wilhelm Buschulte mit allen malerischen und technischen Techniken in Berührung: Holz, Linoleum, Kupfer sowie mit Tempera, Oel, Kreide, Aquarell und Pastell. Nach dem Studium fand der junge Künstler in seiner Heimatstadt Unna in Dechant Stratmann einen Förderer und Gönner. Überall war noch Platznot, so erlaubte dieser ihm, sich im oberen Turm der St. Katharinen-Kirche ein Atelier einzurichten. Der Dechant war es dann auch, der ihm zu seinem ersten Auftrag verhalf. Er übertrug ihm die Gestaltung von drei kleinen Fenstern für die Kapelle in der St. Katharinen-Kirche.
Vom Können des jungen Buschulte überzeugt, empfahl er ihn an Kollegen weiter. Für Glasmaler gab es in dieser Zeit genug zu tun. Die während des Krieges zerbrochenen Kirchenfenster mußten erneuert werden. Eine weltoffene und freizügige Gestaltung war in langsamen Schritten möglich. So konnte sich Buschulte von den festgefahrenen Strukturen lösen und aus eigenem Empfinden Stellung zu den Preisungen der Schöpfungsgeschichte beziehen. Er läßt die vielen Themen der Heiligen Schrift in der Fenstergestaltung aufleuchten. Manchmal gibt der Künstler das Geheimnis sofort preis, oft läßt er aber auch in Symbolen die eigentlichen großen Zusammenhänge sichtbar werden. Farben und Lichtbrechungen sind harmonisch auf die Dimensionen der Kirchenräume abgestimmt und dienen ebenfalls als Symbolträger. Der Lichtzauber seiner Fenster zieht die Blicke magisch an und nimmt sie mit ernster Würde gefangen, wie das große Chorfenster der St.-Pius-Kirche zu Arnsberg. Am Eingang ein Innehalten in ehrfürchtigem Staunen, ein unbeschreiblicher Glanz. Das 70 qm große Fenster, das einem geheimnisvollen Vorhang gleicht, ist der einzige Schmuck der schlichten Kirche. Ziemlich kühl sind die Farben des Engelfensters in blau und grün gehalten, mit kleinen Medaillons als Farbtupfer. Künstlerisch ist das Fenster ein Meisterwerk unserer Zeit.
Das gilt auch für die Fensterwände der St.-Maria-Königin-Kirche in Saarbrücken und die umlaufende Fensterwand der Pfarrkirche St. Walburga in Meschede. In der Werler Basilika macht ein Pater stolz auf das mittlere Chorfenster aufmerksam. Die mystische Rose in Verbindung mit der Königin des Friedens verkünden hier das Geheimnis des Glaubens. Neuverglasungen bedeutender Gebäude waren für Wilhelm Buschulte keine Seltenheit, wie z.B. am Aachener Dom, der St. Patrokli-Kirche in Soest, der Reformations-Gedächtnis-Kirche in Worms, dem Ratzeburger Dom, der St-Annen-Kapelle in Hildesheim, zahlreichen Kirchen in Köln und Dortmund oder der Frankfurter Paulskirche. Letzteren Auftrag hatte er durch einen Wettbewerb zur "Fenstergestaltung der Frankfurter Paulskirche" erhalten. In über 300 sakralen und profanen Räumen hat Wilhelm Buschulte Fenster gestaltet. In unserer nächsten Umgebung finden wir eine Vielzahl von überzeugenden Beispielen, Fenster, die mit dem Raum in harmonischen Einklang gebracht sind. Für die St.-Katharinen-Kirche in Unna wurden von 1952 - 1954 gleich 14 Fenster entworfen. Thema: die sieben leiblichen und sieben geistigen Gaben der Barmherzigkeit. Die St.-Martin-Kirche im Bornekamp schmücken horizontale und vertikale Lichtbänder mit graphischen Mustern in lichtem Grau. Die Kapelle des Katharinenhospitals wird durch fünf farbenprächtige Chorfenster verschönert. Den "kleinen Bürgern" unserer Stadt läßt ein 60 cm breites Lichtband die Sonne in den Katharinenkindergarten. Und für unsere Politiker ergänzen vier Fenster harmonisch die Lichtverhältnisse im Ratssaal des Rathauses. Im Laufe der Jahre hat der Künstler an zahlreichen Wettbewerben und Ausstellungen teilgenommen. 1958 waren Portalfenster der Kirche des Vatikans bei der Weltausstellung in Brüssel zu sehen und 1964 beim Wettbewerb "Das beste Glasbild" bekam er den ersten Preis zugesprochen. Sein Blick gilt dem Außergewöhnlichen. So hatte er 1973 eine eigene Ausstellung in der katholischen Akademie in Schwerte. Von ihm stammen auch die dortigen Fenster. Trotz der vielen Erfolge machte Buschulte nie Aufhebens um seine Person. Für ihn ist es ein Geschenk, das er geben darf. Gisela Lehmann Siehe auch: Gnadenkirche, Bergisch Gladbach |