| Herbst-Blatt Nr.22, März 2001 |
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In "Esel Unna" gibt es keinen EselswegWenn ein Kind geboren wird, sind allein die Eltern für die Namensgebung zuständig. Oft wird hier schon im frühen Stadium an einem passenden Namen gebastelt. In alten, traditionsbewußten Zeiten mußten die Namen der Taufpaten, Onkel, Tanten und Eltern berücksichtigt werden. Friederike-Wilhelmine-Anna-Auguste-Elisabeth, oder Josef-Heinrich-Karl-Friederich-Wilhelm waren gängige Eintragungen in die Geburtsurkunden.
Straßennamen hingegen müssen sehr viel kürzer und einprägsamer sein. Mit fünf Buchstaben ist in Unna Markt die kürzeste Adresse. Es folgen dann z.B. Twiete oder Im Kamp. Die Werner-Bergengruen-Straße und die Westhemmerder Dorfstraße mit 23 Buchstaben zählen zu den längsten. Die bunte Palette der Bezeichnungen dokumentiert auch die Vielzahl der Paten, die sich um die Namensgebungen bemühen. Bei neuen Straßen werden zunächst alle Namensvorschläge im Planungsamt der Stadt gesammelt. Danach müssen sie den Baubewilligungsausschuß passieren, der Haupt- und Finanzausschuß muß zustimmen. Namen von noch lebenden Persönlichkeiten dürfen nicht verwendet werden. Gleiches gilt auch für politisch nicht mehr zeitgemäße Namen. Uneinigkeit unter den Anwohnern und den Antragstellern können auch Namensgebungen und Änderungen verhindern. Aktuelles Thema ist zur Zeit der Büddenberg. Eine eindeutige und verwechslungsfreie Straßen- und Wegebezeichnung ist in heutiger Zeit unerläßlich. Der einzelne Bürger erwartet nicht nur von Post- und Paketdiensten eine korrekte Zustellung, auch Feuerwehr und Notdienste brauchen konkrete Angaben für ihre Einsätze. Als die Stadt im Jahre 1868 eine erste Beschilderung der Straßen vornahm, reichten gerade einmal 13 Namensschilder. Bis dahin waren die Häuser durchlaufend nummeriert. Die ortsüblichen Bezeichnungen wie Ölgasse, Süsterstrate oder Nettlers Hauwe kannte ein jeder. Vor der Stadt waren Flurbezeichnungen wie Rademachers Kamp, Kluse, Op dem Kley und Im Böckenfeld zu finden.
Heute, im Jahr 2001, umfaßt das Unnaer Straßenverzeichnis nach Auskunft von Herrn Haak im Planungsamt 589 Namen. Diese Zahl ist aber kleinen Schwankungen unterworfen, da immer wieder mit Neuzugängen und auch Einzügen zu rechnen ist. Gestrichen wurden in neuerer Zeit aus dem Stadtplan z.B. Bergisch-Märkischer-Bahnhof oder Aufm Apler. Zu den ältesten namentlich genannten Straßen in Unna gehören die Massener Straße, urkundlich schon 1275 erwähnt, der Markt 1290, danach 1435 Hertinger- und Wasserstraße, später dann Flügel-, Kirch-, Schäfer-, Eulen-, Morgenstraße und Kletterpoth. Diese Namen haben sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Einige alte Straßen änderten auch im Laufe der Jahre ihren Namen. Zunächst die Viehstraße. Als Unna 1855 mit einer Station an die Bergisch-Märkische-Eisenbahn Anschluß erhielt, beschloß der Magistrat die Umbenennung der Viehstraße in Bahnhofstraße. Diese trug von 1933 an 12 Jahre den Namen Adolf-Hitler-Straße. In der zweiten Sitzung des Bürgerrates der Stadt nach dem Krieg am 5. Okt. 1945, gab der von der Militärregierung eingesetzte Bürgermeister Wilhelm Biermann bekannt, daß alle 1933 umbenannten Straßen schon im Juni ihre vorherigen Namen zurückerhalten hätten. Am gleichen Tag wurden noch drei weitere Namen geändert. Aus der Kaiser- wurde die Friedrich-Ebert-, aus der Bismarck- die Fritz-Husemann- und aus der Gesellschaftsstraße, die bis zum Juni 1945 noch Schlageter-Straße hieß, nun Ernst-Thälmann-Straße. 1950 erhielt sie dann ihren ursprünglichen Namen abermals zurück. Aus der Kleinen Bahnhofstraße wurde auf Antrag der katholischen Gemeinde nun die Katharinenstraße.
Nach einer Anweisung des "Alliierten Kontrollrates" von 1946 mußten auch alle Straßennamen, welche an kriegerische Ereignisse oder Persönlichkeiten aus der Zeit des ersten Weltkrieges von 1914 erinnerten, umbenannt werden. 18 Straßennamen wurden in Unna geändert, darunter auch Namen, die nicht unter diese Anweisung fielen. Die seit 1526 bekannte Königstraße, heute Gerhart-Hauptmann-Straße, war auch Opfer dieser Umbenennung. Eine Königstraße finden wir seit 1953 in Hemmerde wieder. Außer der Sedanstraße in Massen erinnert heute kein Straßenname mehr an kriegerische Ereignisse. Die verlorene Schlacht bei Sedan im September 1870 bedeutete für die Franzosen das Ende des 2.Kaiserreiches. Für die nach der Währungsreform von 1948 neu erstellten Wohngebiete mußten nun eine ganze Reihe neuer Straßennamen gefunden werden. Die politischen Parteien und Heimatverbände brachten damals ihre Namensvorschläge ein. Mit der kommunalen Neuordnung 1968 und der Eingliederung von 11 Gemeinden in die Stadt Unna tauchte das Problem von doppelt genannten Straßennamen auf. Durch einem Ratsbeschluß wurden 108 Straßen im nun viel größer gewordenen Stadtgebiet umbenannt. Seitdem koordiniert das Planungsamt der Stadt alle neuen Namensgebungen. Für kompakte Wohn- oder Industriegebiete ist man darauf bedacht, möglichst eine zusammengehörige Namensgruppe zu finden. Dieses gelingt aber nicht immer, da schon früher ausgegebene Einzelnamen nicht geändert werden.
So findet man den Lindenweg nicht beim Birkenweg, auch nicht bei der Eichenstraße, und den Asternweg nicht beim Rosenweg. Wer in der Saarbrücker Straße nach der Rostocker Straße sucht, hat noch einen weiten Weg vor sich. Sollte er bei seiner Suche auf die Weimarer Straße stoßen, befindet er sich auf der falschen Seite der Stadt. Fragt ein Ortsunkundiger nach der Hermann-Hesse-Straße, muß sich der Befragte zur Wegbeschreibung gleich an Uhland-, Lessing- und Freiligrathstraße erinnern, doch den Raabeweg darf er nicht einmal erwähnen. Es gibt aber auch alt eingetretene Wege und Gassen, die niemals mit einem Namen bedacht wurden. So z.B. die Verbindungsgasse von der Klosterstraße zum Klosterwall und davon abzweigend nochmals ein zum Wall parallel geführtes Gäßchen ohne Eigennamen. Die Anwohner haben als Adresse den Klosterwall mit a- oder b- Zusatz hinter der Hausnummer. Eine weitere unbenannte alte Gasse, zwischen Klosterstraße und Nordring, hat erst vor kurzer Zeit den Namen Adolf-Kolping-Weg erhalten. Ebenso frisch sind die Benennungen der kleinen Durchgänge von der Massener Straße zur Flügel- bzw. zur Gerhart-Hauptmann-Straße mit den Namen ehemaliger Mitbürger jüdischen Glaubens. Bei dem Durchgang an der ehemaligen Feuerwache konnte man sich bisher auf keinen Namen einigen. Auch noch gänzlich ohne jede Namensgebung ist der viel befahrene und mit allen notwendigen Verkehrszeichen bestückte Weg zwischen der Hansastraße und dem Afferder Weg. Für dieses Straßenstück wurde bisher nie ein Namensantrag gestellt. Dagegen sind die schmalen und unbefahrbaren Pfade Post- und Tunnelstiege offiziell ausgeschildert. Der in Unna naheliegende Name Eselsweg oder Eselsgasse wurde bisher in der Stadt noch nicht vergeben. Auch hat noch niemand einen entsprechenden Antrag gestellt. Wie wäre es mit Eselsbrücke für den Überweg vom Ölkenturm zum Bornekamp? Straßennamen sind aber nicht nur Postadressen. Mit ihren Straßen verbinden viele Anwohner auch Erinnerungen an Geschehnisse und Mitbewohner. Die geselligen Straßen- und Stadtteilfeste pflegen und fördern die nachbarschaftlichen Beziehungen.
Straßen die bei Namensnennung bergen manchen Jugendtraum, alles ist hier Erinnerung, Cafe und Kastanienbaum. Stürmisch fielen oft die Blätter, auch die Zeit blieb hier nicht stehen, Bäume werden älter, auch die, die hier spazieren gehen. Rudolf Geitz Siehe auch: Warum braucht Unna keine Eselsbrücke? |