Herbst-Blatt Nr.24, September 2001 Herbst-Blatt

    Warum braucht Unna keine Eselsbrücke?

    Im März stellte das Herbst-Blatt fest: In Esel Unna gibt es keinen Eselsweg. Daraufhin stellte die Redaktion den Bürgerantrag, dem Überweg vom Ölkenturm zum Bornekamp den Namen "Eselsbrücke" zu geben. Dieser Antrag wurde jetzt im städtischen Bauausschuss beraten - und abgelehnt.

    "Mit uns nicht zu machen", und "mit Eselsbrücke kann niemand etwas anfangen". So der Kommentar des Vize-Bürgermeisters. Aber wer ist "mit uns"? Geht seine Partei nicht auch hin und wieder über eine Eselsbrücke? Und an Eselsohren zieht man nicht, das sind geknickte Heftseiten als Orientierungshilfe. Diese wiederum ist dringend notwendig für ortsfremde Esel. Wenn man nämlich alte Unnaer Esel wie uns zu einem Treffen an der Bornekampbrücke bestellt, muß man schon fragen: zu welcher bitte? Ist die Brücke der A44 über die Bornekampstraße gemeint, oder die der B1, oder die Fußgängerbrücke über die B233? Auch wenn der Vize meint, der Name habe sich eingeprägt. Ihm?

    Der für die Brücke zuständige Ortsvorsteher meinte zum Thema, die Esel der Vergangenheit wären orientierungslos gewesen und hätten nur die West-Ost-Route nach Unna gekannt.

    Nachhilfe in Sachen Wappenkunde braucht dagegen die dritte Partei im Bauausschuss. Das am 13.9.1967 durch den Innenminister des Landes NRW genehmigte Unnaer Wappen zeigt in Silber eine rote Stadtbefestigung und in den goldenen Turmfahnen den Schachbalken der Grafen von der Mark, und nicht etwa einen grünen Esel.

    Die schelmischen Jungsozialisten wollten in ihrem Tatendrang gleich einen ganzen Eselstall für das Rathaus. Erste zaghafte Versuche gab es ja schon. Siehe Bild.

    Dem Antrag nicht folgen konnte der Vorsitzende des Ausschusses. Fürchtete er einen Imageverlust seines nördlichen Stadtteiles durch eine Eselsbrücke im Süden?

    Dabei besitzt dieses, woher auch immer gekommene, Unnaer Symbol doch so gute Tugenden wie Fleiß und Genügsamkeit. Störrisch zu sein kann sich jeder einmal leisten, oder? Selbst an zwei Kirchen der Stadt findet sich dieses Symbol. Die springenden Grautiere unter der alten Bogenhalle am Markt sind dem Umbau zum Opfer gefallen.

    Ein Mitglied in der versammelten Politikerrunde hatte die Witzig- und Zweideutigkeit unseres Antrages begriffen indem er, mit kleinen aktuellen Abweichungen, Wilhelm Busch zitierte:

      Stand vor eines Hauses Tor
      ein Esel mit gespitztem Ohr
      Der kaute sich ein Bündel Heu
      Gedankenvoll und still entzwei
      Dabei bedacht er ohne Tücke
      Die Krücke mit der Eselsbrücke.

      Schon kamen auch und blieben steh´n
      der naseweisen Buben zween
      Die auch sogleich in dem sie lachten
      Verhasste Redensarten machten
      Doch dieser hocherfahr'ne Greis
      Beschrieb nur einen halben Kreis
      verhielt sich stumm und zeigte itzt
      die Stelle wo der Stachel sitzt.

    Herbst-Blatt Redaktion

    Siehe auch: In "Esel Unna" gibt es keinen Eselsweg
                      Über die Eselsbrücke
                      Eine unendliche Geschichte
                      Der Esel zwischen Stolz und Scham
                      25 Jahre Eselsbrücke

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