| Herbst-Blatt Nr.31, Juni 2003 |
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Die Eselsbrücke in UnnaManchmal stehe ich auf irgendwelchen Brücken, gucke hinab, bewundere die Konstruktion und das Können der Menschen, die solche Werke vollbringen. Ich bewundere mir unbekannte Menschen, die vielleicht gar nicht mehr leben, die mit ihrer Hände Arbeit anderen Menschen dienend, damit diese Hindernisse überwinden können wie z.B. Flüsse, Täler und Autobahnen, um einander näher zu bringen. Wenn zum Beispiel in der grauen Vorzeit ein Neandertaler, der sich an der Völkerwanderung beteiligen wollte, plötzlich an den Rhein stieß, war er aufgeschmissen. Mit seiner Steinaxt, einem Messer aus Obsidian und mit seinem Feuerzeug, das aus relativ schweren Kieselsteinen bestand, konnte er unmöglich hinüber schwimmen. So wanderte er Fluss aufwärts in der Hoffnung irgendwo an eine Furt oder an eine schmale Stelle zu kommen. Der Rhein wird aber nicht sehr schmal, im Gegenteil, des Nichtschwimmers Wanderung aus Mettmann endete am Bodensee, der ihn schier verzweifeln ließ. So starb er aus, vermutlich aus Kummer.
An so etwas denke ich also, wenn ich auf irgendwelchen Brücken stehe. In Unna haben wir eine Fußgängerbrücke, die wir gerne zur "Eselsbrücke" machen wollten. Leider vermasselte irgend eine humorlose graue Eminenz dieses Vorhaben und so versagt die Stadt Unna auch weiterhin seinem Haustier die Ehre. Plötzlich ein neuer Schimmer am Horizont: Eine neue Brücke soll gebaut werden. Warum weiß keiner so recht. Vermutlich, weil Brücken einfach gebaut werden müssen. Die besagte wurde bereits vor 20 oder 30 Jahren geplant. Von wem? Wofür? Wer weiß die Antwort? So ganz nutzlos müßte sie aber trotzdem nicht werden: sie könnte den diesmal wirklich treffenden Namen "Eselsbrücke" tragen. Das wäre dann doch noch das Ende der Geschichte. Klaus Pfauter Siehe auch: In "Esel Unna" gibt es keinen Eselsweg |