| Herbst-Blatt Nr.41, Dezember 2005 |
|
Mahnmale: meist im Abseits
An vielen Orten unseres Landes stehen Steine als düstere Mahnmale, die uns an Kriege, Katastrophen und andere unerfreuliche Begebenheiten erinnern sollen. Den Alten zur Mahnung, den Jungen zur Warnung. Wer kennt nicht die vielen dörflichen "Kriegerdenkmale", die nach Kriegen in den Gemeinden erstellt wurden. Hier findet man sich an den jeweiligen Feiertagen zusammen, um der Gefallenen der vergangenen Kriege zu gedenken und über siegreiche und viele verlorene "Schlachten" nach zu denken. Das Unnaer Denkmal dieser Art fällt seiner Größe wegen aus dem allgemeinen Rahmen. Die 1935 erstellte Natursteinsäule, mit dem Relief zweier Soldaten vom Unnaer Bildhauer Heinrich Eckhardt, überstand den Bombenkrieg und die anschließende Besatzung. Nur die Spruchtafel wurde 1947 durch Ratsbeschluss geändert. Der Opfer des zweiten Weltkrieges wird heute mit einem schlichten Steinkreuz auf dem Südfriedhof gedacht. Ein paar Schritte davon entfernt erinnert ein Steinblock mit den eingemeißelten Namen von Kriegsgefangenen und Fremdarbeitern unterschiedlicher Nationen, die in der Stadt ihr Leben gelassen haben. Für die russischen Soldaten wurde hier nach dem Krieg, vom damals zuständigen sowjetischen Oberkommando in Bünde, ein Gedenkstein gefordert, bei dem Inschrift, Steinform und –farbe (rot) vorgegeben waren. Ein weiterer Gedenkstein, der mit seinem Standort am Oberen Kohlenweg auch nicht gerade im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht, ist den zahlreichen Fremdarbeitern gewidmet, die hier während des Krieges Zwangsarbeit verrichteten.
Die Stadt Unna gedachte der jüdischen Opfer des 12 Jahre dauernden nationalsozialistischen Regimes mit einer von zwei Namenssteinen flankierten Gedenktafel vor der Mauer des jüdischen Friedhofes, dessen Grabsteine auf wundersame Weise die Zeiten überdauert haben.
An einem unscheinbaren Platz im Stadtgarten sollen eine "Mauer mit Kind", eine Eiche und ein Findling mit der Aufschrift "Für Deutschlands Einheit - 5. Oktober 1990" die Erinnerung an ein neueres Stück deutscher Geschichte aufrecht erhalten. All diese steinernen Gedächtnisstützen für nachkommenden Generationen verwittern und vergrünen an ihren stillen Plätzen ebenso wie die Begebenheiten in unserem Bewusstsein langsam schwinden, bis an einem Feier– oder Jahrestag dieser Anlässe öffentlich gedacht wird. Hierbei kommt dann auch einmal die Standortfrage eines solchen Denkmals ins Gespräch, wie letztens in Uelzen-Mühlhausen und in Massen. Ein anderes, längst von der Bildfläche verschwunden geglaubtes Denkmal zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig (1813) tauchte 2004 nach mehrmaligem Standortwechsel wieder auf. Einst von Massener Turnern gestiftet, hat es nun, aufgefrischt, seinen neuen Standort auf dem Sportplatz an der Sonnenschule und erinnert da eher an den Zeitgeist seiner Erstellung, 1863, als an die blutige Schlacht selbst. |
||
|
||
|
Weiterhin dem Verfall preisgegeben ist dagegen eine schlichte Schieferplatte auf dem Westfriedhof mit den 10 Namen der bei einer Schlagwetter-Explosion im September 1893 auf der "Zeche Massen" umgekommenen Bergleute. Der letzte der hier angesprochenen Steine gilt einer friedlichen Einzelperson. Obwohl im Stadtzentrum gelegen, ist er wahrscheinlich nur wenigen Mitbürger bekannt. Die Pfarrgemeinde St. Katharina gedachte ihres ersten Pfarrers nach der Reformation, des Paters Jodocus Mattenkloidt (1642–1698), mit einem Gedenkstein im Schatten ihrer Kirche. Rudolf Geitz Siehe auch: Von Steinen und Plastiken in der Stadt - Industriepioniere |
||