| Herbst-Blatt Nr.52, September 2008 |
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DenkmaleEin Denkmal soll umgesetzt werden. Es steht seit ca. 130 Jahren an seinem Platz vor der Gemeindeverwaltung in Massen. Es erinnert an drei im Deutsch-Französischen-Krieg von 1870/71 gefallene Soldaten aus der Gemeinde Niedermassen: Bis zum Ende dieses Reiches (1918) wurde der "Sedanstag" feierlich begangen. Daher heute noch in Massen eine "Sedanstraße" (der Name hätte eigentlich nach einem Gesetz des Alliierten Kontrollrats geändert werden müssen). Das Für und Wider einer Verlegung des Denkmals in der Gemeinde lässt einmal die Frage aufkommen, wie man heute allgemein mit Denk– und Ehrenmalen umgeht. Was sagen sie uns heute noch, zu welchen Zwecken sind sie erstellt worden? Sicherlich auch zum ehrenden Gedenken an die gefallenen Soldaten, das erfüllt aber jeder schlichte Grabstein auf einem Friedhof auch. Diese Denk– und Ehrenmale waren mehr. Sie sollten Macht und Größe demonstrieren, die jeweiligen Staatsoberhäupter oder Generale verherrlichen, den Feind einschüchtern, das Volk bei der Stange halten. Aufmärsche, Uniformen, Fahnen, Orden und stolze vaterländische Reden hielten das aufgebaute Feindbild aufrecht.
In unserer näheren Umgebung gibt es mehrere Beispiele dafür. Da wäre zunächst einmal das Denkmal des lothringischen Infanterie-Regiments 130 am Kellerkopf. Der Besucher, der das "Heiligland", so ein Stein am Eingang der Anlage, betritt, sieht hoch oben auf wuchtigem Sockel einen Soldaten, der mit ausgestrecktem Arm nach Westen weist, nach Frankreich. Eine verwitterte, heute buntbesprühte Inschrift lautet: WIR RUFEN EWIG: Daneben die Büsten der Befehlshaber der Schlacht im Westen. Ein anderes Beispiel ist ein Denkmal für die "Schlacht bei Vellinghausen". Vellinghausen? Ein kleines Dorf zwischen Hamm und Welver. Eine Inschrift klärt auf: Hier kämpfte im Juli 1761 Herzog Ferdinand von Braunschweig an der Spitze der Verbündeten siegreich gegen die Franzosen. Also 150 Jahre nach dem Ereignis (Siebenjähriger Krieg), aber nur drei Jahre vor dem ersten Weltkrieg. Von Ehrung der Gefallenen ist keine Rede. Der Massener Turnverein ließ einen Gedenkstein aufstellen: Zur 50 Jährigen Jubelfeier der Völkerschlacht bei Leipzig. Später wurde dem eine Gedenktafel für die 1914/18 gefallenen Vereinsmitglieder hinzugefügt. Beide Teile waren lange Zeit verschwunden, bis sie 2005 einen neuen Standort auf dem Sportplatz an der Sonnenschule fanden. Ein überregionales Beispiel dieser Machtdemonstration liefert das Kyffhäuser-Denkmal südlich des Harzes. Der Sage nach schlief der Staufer-Kaiser Barbarossa (in der Türkei 1190 beim Baden ertrunken) im Kyffhäuser Berg bis das Reich wieder geeint war. Abreißen oder verleugnen darf man diese steinernen Zeugen der Vergangenheit aber keinesfalls, dokumentieren sie doch die Realitäten und den Zeitgeist ihrer Entstehungsjahre. Vielleicht ist es gut zu wissen, dass wir in Deutschland nicht allein mit dieser Historie dastehen, in anderen Staaten stehen auch genügend "Zeugen der Vergangenheit" zu den jeweiligen Feier– und Jubeltagen zur Verfügung. Schön wäre es, wenn sie alle zu Mahnmalen gegen Krieg und für eine Völkerverständigung würden. Zum Kellerkopfdenkmal sei noch angemerkt, dass der Förderverein dieser Anlage zu Pfingsten 2008 schon das 28. Friedensfest mit zahlreichen Besuchern veranstalten konnte. Rudolf Geitz |