Herbst-Blatt Nr.52, September 2008 Herbst-Blatt

    Denkmale

    Ein Denkmal soll umgesetzt werden. Es steht seit ca. 130 Jahren an seinem Platz vor der Gemeindeverwaltung in Massen. Es erinnert an drei im Deutsch-Französischen-Krieg von 1870/71 gefallene Soldaten aus der Gemeinde Niedermassen: Denkmal MassenWilhelm Hainer, Wilhelm Dunker und Heinrich Borgschulte. In der Schlacht bei dem Ort Sedan in Nordfrankreich starben insgesamt ca. 26.000 Soldaten, für Frankreich oder für Deutschland. Der französische Kaiser Napoleon III. geriet in Gefangenschaft, das deutsche Kaiserreich hatte gesiegt.

    Bis zum Ende dieses Reiches (1918) wurde der "Sedanstag" feierlich begangen. Daher heute noch in Massen eine "Sedanstraße" (der Name hätte eigentlich nach einem Gesetz des Alliierten Kontrollrats geändert werden müssen). Das Für und Wider einer Verlegung des Denkmals in der Gemeinde lässt einmal die Frage aufkommen, wie man heute allgemein mit Denk– und Ehrenmalen umgeht. Was sagen sie uns heute noch, zu welchen Zwecken sind sie erstellt worden?

    Sicherlich auch zum ehrenden Gedenken an die gefallenen Soldaten, das erfüllt aber jeder schlichte Grabstein auf einem Friedhof auch. Diese Denk– und Ehrenmale waren mehr. Sie sollten Macht und Größe demonstrieren, die jeweiligen Staatsoberhäupter oder Generale verherrlichen, den Feind einschüchtern, das Volk bei der Stange halten. Aufmärsche, Uniformen, Fahnen, Orden und stolze vaterländische Reden hielten das aufgebaute Feindbild aufrecht.

    Kellerkopfdenkmal

    In unserer näheren Umgebung gibt es mehrere Beispiele dafür. Da wäre zunächst einmal das Denkmal des lothringischen Infanterie-Regiments 130 am Kellerkopf. Der Besucher, der das "Heiligland", so ein Stein am Eingang der Anlage, betritt, sieht hoch oben auf wuchtigem Sockel einen Soldaten, der mit ausgestrecktem Arm nach Westen weist, nach Frankreich. Eine verwitterte, heute buntbesprühte Inschrift lautet:

    WIR RUFEN EWIG:
    WACHSEIN IST ALLES

    Daneben die Büsten der Befehlshaber der Schlacht im Westen.

    Ein anderes Beispiel ist ein Denkmal für die "Schlacht bei Vellinghausen". Vellinghausen? Ein kleines Dorf zwischen Hamm und Welver. Eine Inschrift klärt auf:

    Hier kämpfte im Juli 1761 Herzog Ferdinand von Braunschweig an der Spitze der Verbündeten siegreich gegen die Franzosen.
    Errichtet unter der Regierung Kaiser Wilhelm II. Zur dankbaren Erinnerung an die ruhmvolle Zeit Friedrichs des Großen.
    - 1911-

    Also 150 Jahre nach dem Ereignis (Siebenjähriger Krieg), aber nur drei Jahre vor dem ersten Weltkrieg. Von Ehrung der Gefallenen ist keine Rede.

    Der Massener Turnverein ließ einen Gedenkstein aufstellen:

    Zur 50 Jährigen Jubelfeier der Völkerschlacht bei Leipzig.
    Der Massener Thurnverein 1863

    Später wurde dem eine Gedenktafel für die 1914/18 gefallenen Vereinsmitglieder hinzugefügt. Beide Teile waren lange Zeit verschwunden, bis sie 2005 einen neuen Standort auf dem Sportplatz an der Sonnenschule fanden.

    Ein überregionales Beispiel dieser Machtdemonstration liefert das Kyffhäuser-Denkmal südlich des Harzes. Der Sage nach schlief der Staufer-Kaiser Barbarossa (in der Türkei 1190 beim Baden ertrunken) im Kyffhäuser Berg bis das Reich wieder geeint war. Denkmal VellinghausenKaiser Wilhelm I. hat 1871 die Reichseinigung herbeigeführt und den Rotbart erlöst. Enkel Wilhelm II. konnte am 18. Juni 1896, dem Jahrestag der Niederlage Napoleons bei Waterloo (1815) das kolossale Bauwerk einweihen. Die zeitgenössische Presse beschrieb es als "...gewaltig, imponierend wie kein anderes Kunstwerk in der Welt." Nach dem Ende des Kaiserreichs wandelten die Nationalsozialisten die schlichte Halle des Monumentes zu einer Ehrenhalle für die Toten ihrer Bewegung um. Ein russischer Offizier bewahrte es vor der Zerstörung bei Kriegsende 1945. Otto Grotewohl, erster Ministerpräsident der DDR, rettete 1951 die 10m hohe und 336 Zentner schwere Reiterstatue Wilhelms I. vor der Verschrottung. Die DDR-Führung bestückte die "Ehrenhalle" dann mit einem Relief nach den Vorstellungen des "Arbeiter- und Bauernstaates". Die Schirmherrschaft zur 100-Jahrfeier im Jahre 1996 übernahm die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) und statt der legendären Raben umkreisen auf neueren Darstellungen Europa-Sterne den 81m hohen Turmbau. So ein Monument ist eben auch anpassungsfähig.

    Abreißen oder verleugnen darf man diese steinernen Zeugen der Vergangenheit aber keinesfalls, dokumentieren sie doch die Realitäten und den Zeitgeist ihrer Entstehungsjahre. Vielleicht ist es gut zu wissen, dass wir in Deutschland nicht allein mit dieser Historie dastehen, in anderen Staaten stehen auch genügend "Zeugen der Vergangenheit" zu den jeweiligen Feier– und Jubeltagen zur Verfügung. Schön wäre es, wenn sie alle zu Mahnmalen gegen Krieg und für eine Völkerverständigung würden.

    Zum Kellerkopfdenkmal sei noch angemerkt, dass der Förderverein dieser Anlage zu Pfingsten 2008 schon das 28. Friedensfest mit zahlreichen Besuchern veranstalten konnte.

    Rudolf Geitz

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