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Der Unnaer Esel - kein Wappentier, aber Symbol und Wahrzeichen der Kreisstadt Unna 

Ein Beitrag von Klaus Thorwarth

Der Eselsexperte - Karikatur eines Apothekers mit EselskopfIn früheren Zeiten hatten die Menschen eine weniger oberflächliche Beziehung zu Tieren. An den Kanzeln alter Kirchen sehen wir nicht nur die Evangelisten. Da die meisten Menschen nicht lesen konnten, gaben sie jedem der Jünger eine Symbolfigur: Engel, Löwe, Stier und Adler. Gleich dreimal wichtig im Leben Jesu ist der Esel: an der Krippe in Bethlehem, bei der Flucht nach Ägypten und beim Einzug in Jerusalem. Kein anderes Tier hat je eine solche Heraushebung erfahren.

Im Wortschatz der Schimpfwörter kommen die Tiere nicht so gut weg. Man denke an das dumme Huhn, die blöde Gans, den aufgeblasenen Gockel, usw., usw., nicht zuletzt an den so dummen, störrischen und sturen Esel.

Auf keinen Fall ist der Esel dumm. Kurz und treffend stellte der Nobelpreisträger Konrad Lorenz hierzu fest: "Aus dem Gebrauch von Tiernamen in beleidigender Absicht spricht vor allem die Unkenntnis der Zoologie." Trotzdem sitzt kein Urteil so fest im Kopf wie das Vorurteil. Unser geliebter Esel muss darunter besonderes leiden. Typisch dafür ist folgende Geschichte:

Ein Professor erklärte seinen Studenten, dass die Tiere instinktive Abneigung gegen den Alkohol haben. Er fragte: "Was wird ein Esel trinken, wenn man ihn zu einem Eimer Wasser und einem Eimer Sekt führt?" Antwort: "Wasser." "Richtig, und warum?" "Weil er ein Esel ist."

 Bild der Fußgängerbrücke, die vom Neumarkt aus über den Verkehrsring zum Bornekamp führt - zu sehen ist auch das kurzzeitig angebrachte Schild "Eselsbrücke"Immer wieder begegnen wir Beispielen, wie die Menschen mit Stolz oder Scham auf den Esel reagieren. Mut und Pfiffigkeit bewies die Stadt Wesel. Jeder kennt das alte Echospiel:

"Wie heißt der Bürgermeister von Wesel?"

Echo: "Esel!"

Auf Grund dieses Scherzes hat die Stadt Wesel eine Chance ergriffen und den Esel zum Markenzeichen und Werbesymbol gemacht. Während Unna im Jahre 1990 ablehnte, Treffpunkt für das erste deutsch-deutsche Eseltreffen zu werden (Hellweger Anzeiger 7.9.1990), stieg Wesel voll ein. Es gibt dort inzwischen ungezählte Aktivitäten um den Esel, die Sparkasse stiftete eine markante Esels-Skulptur, und die Stadt schuf den "Esels-Orden" für verdiente Personen des öffentlichen Lebens.

Auch in Unna gibt es natürlich Zeichen der positiven Einstellung zu unserem Symboltier. Ein jeder kann sich über den originellen Eselsbrunnen auf dem Marktplatz erfreuen, Unnas meistfotografiertes Kunstwerk. Dem Künstler, Josef Baron aus Hemmerde, diente als Vorlage für sein Werk das Relief am Südturm von St. Katharina (1934).

Das ist aber lange nicht die einzige Dokumentation des Esels in der Stadt. So schrieb zum Beispiel der Pfarrer Johann Moritz Schwager in seinem Buche "Bemerkungen auf einer Reise durch Westphalen, bis an und über den Rhein", über Unna: "Die Einwohner halten viele Esel. Mutwillige junge Leute nannten zu meiner Zeit den Ort Eselsakademie." (Dass war 1804!).

Dass es den Esel aber nicht nur als Spottnamen gegeben hat, beweist eine Landkarte von 1828. Hierauf findet man in der Nähe der heutigen Höingstraße einen "Eselskamp", und etwa am Brockhausplatz den "Eselspfad". Hier sollten die Eselskarawanen in Richtung Langschede getrottet sein. Bis dahin hatte man die Ruhr schiffbar gemacht, um das Unnaer Gold, das Salz, bis an den Rhein zu transportieren. Historisch ist jedoch der Einsatz des Esels als "Salzesel" reichlich umstritten.

In späteren Jahren gibt es in Unna eine Karnevalsgesellschaft, die die Zeitschrift "Der ulkige Esel" heraus gibt.

Als 1950, fünf Jahre nach Kriegsende, in Unna eine grandiose "700-Jahr-Feier" statt fand, sahen 100.000 einen Festzug mit dem Esel an der Spitze. Er trug ein Schild mit der Aufschrift "Ich will nach Hause, nach Unna." Zwei Lieder, vertont von dem Unnaer Organisten Ludwig Lamberz, feierten Unna als Eselsstadt. Schade, dass sie und vieles andere heute fast vergessen sind: Es gab einen Eselsverein und es gab den Esel "Asinus" in der Brauerei. Bürgermeister Dördelmann nannte gar einen Esel sein eigen und Fa. Peek & Cloppenburg schenkte einen Weidegenossen für den Bürgermeisteresel im Kurpark.

Hinter vorgehaltener Hand wurde auch Volker W. Weidner (Bürgermeister der Stadt Unna von 1999 bis 2004) als Eselsfreund "verdächtigt". Leider konnte er trotzdem nicht verhindern, dass eine recht originelle Idee im Rat scheiterte. Die Idee, warum es verheimlichen, ging von der Redaktion des Herbst-Blattes aus, nämlich, die Brücke über den Stadtring als "Eselsbrücke" zu benennen.

Zufällig führt diese Brücke sogar in Richtung jener Salztransporte, die auch im fernen Erfurt eine "Eselsbrücke" passieren mussten. Bei dem Gedanken, ein ehrenwerter Stadtrat müsste gelegentlich auch einmal die Eselsbrücke betreten, fiel unser Rat in peinliche Scham und lehnte ab. Vielleicht sollte sich der Rat in der Braunschweiger Kneipe "Zur Eselsbrücke" begeben und dort die Sache noch einmal überdenken. Hilfreich wäre dabei ebenfalls, wenn sie vorher im Internet nachschauen, welche ungeahnte Dimension der Begriff "Eselsbrücke" aufwirft.

Dieser Artikel ist erschienen im Herbst-Blatt Nr.32, September 2003
Stichwörter:
Esel, Unna-Esel, Esel-Unna, Wappentier, Eseleien

28.07.2017

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