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Bericht aus dem Jahrbuch Westfalen 2008
Der Esel von Unna  

Vor Jahren sendete der Fernsehsender WDR 3 den Beitrag „Mittwochs in .... Werl“. Auf die Frage, was für den westfälischen Hellweg typisch sei, gab ein Bürger eine interessante Antwort: Die Städte am Hellweg hätten alle ein Tier als Symbol: In Werl das Schwein, in Soest die Kuh, in Unna stünde der Esel sogar über einem Brunnen mitten auf dem Marktplatz.
Eselsbrunnen von Josef Baron, Foto von Klaus Thorwarth
Natürlich freuten sich die Unnaer Bürger über diese Erwähnung. Schießlich ist der bronzene Markt-Esel des Künstlers Josef Baron aus Unna-Hemmerde das am meisten fotografierte Kunstwerk in Unna.

Fragt man aber die Menschen hier, was es mit dem Esel auf sich hat, bekommt man – wenn überhaupt- sehr verschiedene Antworten. Sie haben alle gemein,daß sie mit der historischen Wahrheit nur wenig zu tun haben, so interessant sie sich auch oft anhören.
Der Verfasser dieser Zeiten sah hier eine „Marktlücke“ und sammelte seitdem alles, was sich über den Esel von Unna finden ließ. Immer wieder mußte er ufklären, daß der Esel hier kein Stadtwappen, kein Wappentier, sondern allenfalls ein sympathischen Symbol für die Bürger ist. Die Informationen über den Esel, die die Bürger ihm brachten, füllen inzwischen mehrere Ordner. Die wesentlichen Forschungsergebnisse aber stammen von Willy Timm, unserem hoch geachteten Heimatforscher, der 68jährig im Jahre 1999 verstorben ist.

Bronze zur 700 Jahr Feier von UnnaDann waren da die Erinnerungen des Verfassers, der 1937 in Unna geboren wurde. Schon als Kind wurde er in einem Nachbardorf als „Unnaer Esel“ begrüßt . 1950 im Festzug der Unnaer 700-Jahr-Feier lief er als 13jähriger hinter dem Esel her. Der führte den großen Zug an. Auf seinem Rücken verkündete ein Schild: „Ich will nach Haus – nach Unna“.

Dieses Fest war das größte Ereignis, das Unna jemals erlebt hat. Alle Bürger und Gäste trugen ein Festabzeichen, das einen Esel vor dem Stadttor ( dem eigentlichen Wappen der Stadt) und den beiden Kirchen der Altstadt zeigte. Zwei Festlieder wurden ständig in den Straßen abgespielt . In beiden wurde der Esel verewigt. „Ich liebe meine Eselsstadt und laß die andern prahlen, sie hat für mich, was keine hat, mein Unna in Westfalen“ dichtete Friedhelm Kaiser, der Chefredakteur der Heimatzeitung „Hellweger Anzeiger“.

Über 100 000 Menschen waren herbeigeströmt, um den großen Festzug am Sonntag mitzuerleben. Nach furchtbaren Jahren, Krieg und Nachkriegszeit, wollten die Menschen eine Rückbesinnung auf die Ursprünge. Sie ließen die verdrängte Geschichte ihrer Stadt wieder aufleben, um einen neuen Anfang zu machen. Und dazu gehörte der Esel, er erlebte sozusagen mit dieser Feier eine Renaissance wie nie zuvor.

Begeistert berichtete der „Westfälische Anzeiger“ in Hamm am 2. und 4.September 1950 über das Großereignis. Der aus Unna stammende Redakteur Franz Josef Blumberg verfasste einen Artikel „ Der Esel – Sage und Wirklichkeit, eine Ehrenrettung der Unnaer Eselstradition“.
In aller Breite wurde eine Sage zitiert, die berichtet, daß die Unnaer einmal in einem Streit dem Landesherrn geholfen haben und als Dank und Symbol einen besonders schönen Esel erhielten. Der Ursprung dieser markanten Sage war leider auch Prof. Dr. Dietmar Sauermann vom Institut für westfälische Volkskunde in Münster nicht bekannt. Mit Frau Gerda Palme, deren großes Verdienst die Sammlung der „Sagen vom Hellweg“ ist, mußte er feststellen, daß hier notwendige charakteristische Teile einer Sage fehlen und ein Ursprung aus dem Mittelalter unwahrscheinlich sei.
Immerhin wissen wir jetzt, wo diese „Sage“ zum ersten Mal auftauchte. Sie findet sich in dem Gedenkbuch anläßlich der Konsekration der neuen katholischen Pfarrkirche St. Katharina im Jahre 1934.

Ältestes Eselbild in Unna am Südturm von St. Katharina, Zeichnung von Wilhelm BuschulteIn dieser politisch unruhigen Zeit verblüffte die Unnaer ein für ein Gotteshaus ungewöhnliches Eselsbild oben am südlichen Glockenturm: ein Mann, der einen störrischen Esel zieht.
Ursprung und Bedeutung blieben lange geheim.
Wörtlich heißt es in dem Gedenkbuch:
„Dieses Bild befriedigt ein dringendes Bedürfnis. Das Wahrzeichen von Esel-Unna ist nun für alle Zeiten für jedermanns Auge sichtbar ausgestellt. Im übrigen beweist das Bild, dass man noch Sinn für Humor hat, der fast ausgestorben zu sein scheint. Einfälle des Humors wurden im Mittelalter ja gern bei Kirchbauten verwendet. Warum sollte das nicht auch jetzt wieder geschehen?“

1983 schrieb Willy Timm, es wäre nach einem halben Jahrhundert an der Zeit, den Schleier des Geheimnisses um diesen störrischen Esel , in der Gewalt seines Treibers, ein wenig zu lüften.

In einem Gedicht, das gern bei Stadtführungen zitiert wird, heißt es dazu:
„Die Nazis hatten schon das Sagen, man konnte nicht mehr vieles wagen.
Die Katholiken drängt' es sehr, 'ne größ're Kirche mußte her,
was so – im Zentrum dieser Stadt – den Nazis nicht gefallen hat.
Der Streit, der wogte hin und her, am Ende aber siegte wer?
Am Ende siegte der Dechant, als „Papst von Unna“ auch bekannt.
Die Kirche kam! Doch ganz hoch oben, man muß den Kirchenmann drum loben,
ließ er auf einem Sandsteinbild den Bauern zieh'n den Esel wild.
Wer ist nun wer? In vielen Jahren bis heute hat man's nicht erfahren,
man kennt nicht Künstler, ahnt den Sinn, nur eines weiß man immerhin:
daß dieses Eselsbild der Start für spät're Eselsbilder ward!“

Nach dem Vorbild des Eselsreliefs entstand ein steinernes Eseldenkmal im Unnaer Stadtgarten. Erworfen von Josef Baron wurde es 1954 vom Verkehrsverein aufgestellt, aber nach häufiger Beschädigung 1973 entfernt. Als Ersatz errichtete die Stadt 1978 nach einem neuen Entwurf vom gleichen Künstler eine Statue aus Bronze über einem neu gestalteten Brunnen auf dem alten Markt.

Säule mit Eselsreigen, Bild von Klaus ThorwarthDie früheste Eselsdarstellung, ein Eselsreigen entstand 1924 am Markt an einer Säule der Bogenhalle, heute „Cafe Extrablatt“. Beim Umbau zur Bücherei wurde dieser Eselsreigen leider 1968 entfernt. Möglich, daß diese erste Eselsdarstellung den Anstoß für des Kirchenrelief gab.....

Die Frage, wie der Esel zum Stadtsymbol von Unna wurde, wurde immer wieder gestellt und phantasievoll beantwortet. Willy Timm verwies die schöne Geschichte vom Esel als Transporttier für das Königsborner Salz in das Reich der Fabel .
Nur Pferde hatten die Kraft, die unendlich schweren Salzwagen zu ziehen! Als Mühlenesel und als Maultier ist der Esel gewiss in Unna zu finden gewesen. Auf einer Landkarte von 1828 entdeckt man sogar einen Eselskamp und einen Eselspfad!

Der eigentliche Ursprung von Esel-Unna ist recht nüchtern: Die Bezeichnung ist als Übername, als Spott- oder Neckname für die Unnaer Bürger zu verstehen. Solche Necknamen entstanden überall im 19. Jahrhundert und lebten in der Bevölkerung noch bis zum zweiten Weltkrieg. So wie viele ältere Menschen heute noch einen Spitznamen tragen, entstanden diese Spottnamen vornehmlich auf den Schützenfesten, wenn sich die Jugend der benachbarten Städte und Dörfer gegenseitig hänselte. Heute ist, wie die Unnaer „Westfälische Rundschau“ feststellte, „der Spitzname aus der Mode gekommen“.

Offensichtlich fühlten sind die Unnaer durch die Spottbezeichnung nicht gekränkt. Die westfälische „Dickköpfigkeit“ ist ja auch nur die eine Seite der eselhaften Wesensart der alten Unnaer Bürger.

Auf der Kehrseite stehen die vielen positiven Eigenschaften des Esels: Bescheidenheit und Bedürfnislosigkeit, unermüdlicher Fleiß, Zuverlässigkeit, unendliche Geduld und eine Klugkeit, die fälschlich als Dummheit angesehen wurde.

Nicht zuletzt kommt der Esel in unzähligen Geschichten der Bibel vor und ist damit ein heiliges, besonders hervorgehobenes Tier.

Heute kann man hinzufügen: Wegen seines guten Charakters, seiner einmaligen Verdienste in der menschlichen Zivilisation und der Gefahr, ausgerottet zu werden, erlebt der Esel einen Höhepunkt der Achtung, Beachtung und Förderung in Deutschland!

Es soll aber nicht verschwiegen werden, daß sich selbst in Unna heute noch die Meinungen über den Esel zwischen Stolz und Scham bewegen. Eine Gruppe heimatverbundener Bürger regte an, einer Brücke den vieldeutigen Namen „Eselsbrücke“ zu geben, da inzwischen keine Straße mehr an den Esel erinnert. Der Antrag fand im Rat der Stadt keine Mehrheit.

Da es aber immer noch Menschen gibt, die anzweifeln, daß der Ursprung des Unnaer Stadtsymbols ein Neckname ist, folgt nun ein seltener Beweis, ein Zitat aus dem lesenswerten Buch „Reise durch Westfalen bis an und über den Rhein“. Der Verfasser, Pfarrer Johann Moritz Schwager, schreibt darin über seinen Besuch in Unna im Jahre 1802:

„Unna fand ich weit schöner, wenigstens weit weniger häßlich, als ich es mir gedacht hatte. Die Einwohner halten viele Esel. Mutwillige junge Leute nannten zu meiner Zeit, als ich noch ungerecht gegen diese nützlichen Tiere war, den Ort die Eselsacademie. Der erste Ton, den ich diesmal in der Stadt hörte, war freilich wieder das häßliche Y-anen eines Esels. Aber ich ließ mich dadurch zu keiner weiteren Ungerechtigkeit gegen eine Stadt einnehmen, die doch nicht aus lauter Eseln und Eselsbesitzern besteht.......“

Klaus Thorwarth, aus dem Jahrbuch Westfalen 2008 "Tiere in Westfalen"


28.07.2017

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