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Drei Personen halten gemeinsam einen großen Kranz aus roten und weißen Blumen mit einer weißen Schleife, auf der steht: „Zum Gedenken an die Opfer von Gewalt und Kreistadt Unna“. Links steht ein Mann im schwarzen Anzug mit Krawatte, daneben eine junge Frau mit Brille und schwarzem Pullover sowie ein junger Mann im gelben Pullover. Im Hintergrund sind weitere Menschen zu sehen sowie der Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift „Ratssaal“.

Anlässlich des nationalen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 81 Jahren legte Bürgermeister Dirk Wigant gemeinsam Marla und Jeldrik vom Pestalozzi-Gymnasium einen Kranz am Friedensstein im Rathaus nieder. (Foto: Kevin Kohues/Kreisstadt Unna)

Gedenkfeier im Rathaus erinnert an die Befreiung von Auschwitz

Anlässlich des nationalen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 81 Jahren fand am Dienstag, 27. Januar, im Ratssaal des Rathauses eine bewegende Gedenkveranstaltung statt. Gestaltet wurde sie von Schülerinnen und Schülern des Pestalozzi-Gymnasiums Unna, die sich in vielschichtiger Weise mit den nationalsozialistischen Verbrechen und den Schicksalen von Opfern aus Unna auseinandergesetzt hatten. Ihr Programm umfasste filmische Beiträge, persönliche Statements, eine szenische Lesung, Klaviermusik und Chorgesang – ein eindrucksvolles Zeichen lebendiger Erinnerungskultur in Unna. 

„Demokratie ist nicht nur ein System, sie ist eine Haltung“

Bürgermeister Dirk Wigant erinnerte in seiner Ansprache an die Bedeutung des Gedenktages, den der damalige Bundespräsident Roman Herzog 1996 zum nationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt hatte. Der 27. Januar, Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau 1945, stehe wie kaum ein anderes Datum für das dunkelste Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte. 

„Auschwitz ist ein Synonym geworden: für die industrielle Entmenschlichung, für systematischen Mord, für eine Ideologie, die Menschen in ,wertvoll‘ und ,wertlos‘ einteilte“, sagte Wigant und betonte: „‚Nie wieder‘ ist keine Formel für eine Gedenkstunde. Es ist ein Maßstab für unseren Alltag – überall dort, wo Ausgrenzung beginnt, wo Hass verharmlost wird oder Menschenwürde relativiert wird.“ 

Eine Gruppe von Schülerinnen steht in mehreren Reihen nebeneinander und singt. Sie halten Notenblätter oder Liedtexte in den Händen.

Der Chor der Sekundarstufe I des Pestalozzi-Gymnasiums Unna sang die Lieder "Die Moorsoldaten" und "Bei mir bist du scheen". (Foto: Kevin Kohues/Kreisstadt Unna)

Mit Blick auf die Gegenwart mahnte der Bürgermeister die Verantwortung jedes Einzelnen an: „Erinnerung ist immer auch ein Auftrag – ,Wehret den Anfängen‘. Demokratie ist nicht nur ein System, sie ist eine Haltung. Sie lebt davon, dass Menschen aufstehen, wenn Grenzen überschritten werden, und widersprechen, wenn gehetzt wird.“ 

Dank für das Engagement der Jugendlichen

Besonderen Dank sprach Wigant den Jugendlichen des Pestalozzi-Gymnasiums aus: „Dass ihr euch mit dieser Vergangenheit beschäftigt – intensiv, bewusst und öffentlich – ist alles andere als selbstverständlich. Ihr gebt der Erinnerung eure Stimme und zeigt, dass Gedenken lebendig bleibt. Gerade weil die Zahl der Zeitzeugen abnimmt, braucht es euer Engagement.“  Für die Kreisstadt Unna sei Erinnerung keine abstrakte Pflicht, sondern eine gelebte Verantwortung, die sich in Schulen, Vereinen, Politik und Alltag widerspiegele. 

Kranzniederlegung und Ausstellung

Im Anschluss an die Feierstunde wurde am Friedensstein im Eingangsbereich des Rathauses ein Kranz niedergelegt. Die Schülerinnen und Schüler luden die Teilnehmenden anschließend ein, die von ihnen im Foyer des Rathauses gestaltete Fotoausstellung zu einer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz zu besuchen. 

Zum Hintergrund des Gedenkens:

Der 27. Januar wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog als nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus eingeführt. Seit 2005 wird er auch international als Holocaust-Gedenktag begangen. In Unna ist es Tradition, dass die jährliche Gedenkfeier im Ratssaal von Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen gestaltet wird – als lebendiges Zeichen gegen Vergessen und für Verantwortung.

Eine Gruppe von Schülern steht nebeneinander auf einer Bühne und hält Blätter mit Texten in den Händen. Einer der Schüler spricht in ein Mikrofon. Alle tragen dunkle Kleidung, meist schwarze Pullover oder Hemden.

Der Deutsch-Kurs der Q1 des Pestalozzi-Gymnasiums Unna präsentierte das Gedicht "Todesfuge" von Paul Celan in einer szenischen Lesung. (Foto: Kevin Kohues/Kreisstadt Unna)