(Foto: Apostel)
Lesetipp im September!
Der aktuelle Lesetipp unserer Lektor*innen für Sie!
Kerstin Holzer: Thomas Mann macht Ferien : ein Sommer am See.
Elke Heidenreich sagt: „Ein federleichtes, wunderschönes Sommerbuch“, eine sehr passende Einschätzung. Im Zuge des diesjährigen Mann-Jubiläums greifen viele Lesende zu diesem Buch, das sich mit einer kurzen Zeit im Leben des Thomas Mann und seiner Familie beschäftigt und bereits auf der Bestsellerliste gelandet ist.
Es geht um einen Ferienaufenthalt am Tegernsee im Sommer 1918. Der erste Weltkrieg ist im Endstadium, der Niedergang wurde eingeläutet und Thomas Mann hängt beruflich zwischen den „Betrachtungen eines Unpolitischen“ und dem „Zauberberg“ fest.
Um sich abzulenken, schreibt er an der heiteren Erzählung „Herr und Hund“.
Nach letzten Korrekturen liegen die „Betrachtungen“ zur Veröffentlichung beim Verlag. Allerdings ist das Werk Thomas Mann mittlerweile fast ein wenig peinlich, den in ihm bekennt er sich trotzig zu soldatischem Mut, moralischer Festigkeit und Männerzusammenhalt, alles ein wenig gestrig und wilhelminisch und er dient als Kriegserklärung an den in inniger Hassliebe verbundenen Bruder Heinrich. Kaiserkritisch, demokratisch und liberal eingestellt ist dieser mit dem „Untertan“ erfolgreich, Thomas nennt ihn verächtlich einen „Zivilisationsliteraten“.
Doch die Zeiten ändern sich, das merkt Thomas, und das bringt ihn zu einer Wandlung, die nicht zuletzt auch diesem Urlaub mit seiner vielköpfigen Familie, seiner Erholung in der schönen Natur sowie den geliebten Ausflügen mit seinem Hund zu verdanken ist.
Kerstin Holzer mäandert zwischen den Themen und Personen hin und her, mal aufgehängt an den historischen Fakten, wie zum Beispiel dem Aufenthalt der Schwiegereltern in der Nachbarschaft, mal aufgehängt an Manns literarischem Tun, mal aufgehängt an den alltäglichen Umständen dieser speziellen Sommerfrische.
Alle Familienmitglieder werden mehr oder weniger einbezogen. Auch andere Künstler erhalten Kurzauftritte, wie z.B. Ludwig Thoma. Interessant ist, dass Thomas Mann als Familienmitglied in diesem Buch nicht so schlecht wegkommt, wie in anderen Biografien. Das liegt wohl auch daran, dass es ihm genau zu diesem Zeitpunkt und in dieser Umgebung gut ging und er mit relativer Milde und selbstkritisch auf seine Umgebung schaute. Man merkt der Autorin, die auch bereits eine Biografie über Elisabeth Mann Borgese sowie die unbekannteste Mann Tochter Monika in „Monascella“ geschrieben hat, an, dass sie sich mit der Familie bestens auskennt.
Als erste Annäherung an diesen Literaten ein schöner Einstieg.
Dieses Buch im Katalog der Bibliothek im zib: