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Das Bild zeigt eine Person, die ein Buch mit dem Titel "Zeit ihres Lebens" von Dirk Gieselmann in den Händen hält. Das Cover des Buches zeigt eine unscharfe Aufnahme einer Person mit einem orangefarbenen Regenschirm in einer städtischen Umgebung bei Regen. Die Person im Bild trägt einen beigen Pullover, blaue Jeans und einen silbernen Herzanhänger am Handgelenk. Der Hintergrund ist verschwommen und deutet auf einen Innenraum hin.

(Foto: Apostel)

Lesetipp im November!

 

Der aktuelle Lesetipp unserer Lektor*innen für Sie!

Dirk Gieselmann: Zeit ihres Lebens

Westdeutschland, 1970-er Jahre: der Zufall führt Georg, einen verheirateten Vertreter für medizinische Geräte und Frieda, eine ledige Grundschullehrerin an einem verregneten Tag an einer Straßenbahnhaltestelle zusammen. Beide sind nicht mehr ganz jung, doch es ist die große Liebe, wie sie schnell merken. Sie suchen einander, bis sie sich wiederfinden. Und jetzt? Georg hat eine Familie, die er nicht aufgeben will. Da kommt Frieda auf die Lösung: sie müssen ihr gemeinsames Leben geheim halten, nur dann kann es Bestand haben. Und so sehnen sie sich in ihrem Alltag nach ihrer nächsten Begegnung. Besonders für Georg ist es nicht immer einfach, das Geheimnis zu bewahren und so zu agieren, dass den Mitmenschen nichts auffällt. Wenn er dann mal wieder beruflich in Friedas Heimatstadt zu tun hat, leben sie im Hier und Jetzt, genießen sämtliche Eigenheiten des anderen und erfreuen sich an alltäglichen Kleinigkeiten. Doch kann eine solche Abmachung auf Dauer funktionieren? Wie kommt man mit der Traurigkeit über dieses provisorische richtige Leben im falschen und dem schlechten Gewissen gegenüber der Familie zurecht? 

Der Autor, Dirk Gieselmann, findet in seinem zweiten Roman den absolut passenden Ton. Seine Erfahrungen aus dem bundesrepublikanischen Alltag bringt er wie nebenher und doch so eindrucksvoll unter. Dabei ist ein atmosphärisch dichter Liebesroman zweier Menschen entstanden, die beide ein eher zurückgezogenes, langweiliges Leben führten, bis sie einander begegnen. Aus den raren aber umso bedeutsameren Treffen schöpfen Georg und Frida ihr Lebensglück für die Zeit dazwischen. Wunderbar dargestellt in einer angenehm altmodischen, melodiösen Poesie erinnert der Autor an die Sehnsucht in jedem von uns. Die Lesenden begleiten die Lebensreise des Paares und bleiben melancholisch zurück. 

Ein Volltreffer.

Das Buch im Katalog der Bibliothek...