(Foto: Apostel)
LESETIPP IM JANUAR
Der aktuelle Lesetipp unserer Lektor*innen für Sie!
Ralf Westhoff: Niemals Nichts
Anfang des 19. Jahrhunderts, zwei benachbarte Bauernhöfe, die Getreideanbau betreiben: Liza, die Tochter des einen Hofes und Maximilian, der Sohn des anderen Hofes kennen sich von Kindesbeinen an. Maximilian mit seinem Sprachfehler kann lesen, Liza hat keine Bildung genossen, ist aber gewitzt. Sie gehen eine Zweckehe ein, um die beiden Höfe halten zu können. Andres, Maximilians Vater, träumt von einem anderen Leben in fernen Ländern und verschwindet in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Für die Reisekosten verpfändet er allerdings noch den Hof. Und nun hängt das Damokles-Schwert der Enteignung über den jungen Eheleuten. Doch wie kommt man gegen die mächtigen Kornhändler und die Bank an? Da hat Liza eine Idee, die sie alle ins Verderben stürzen könnte. Niemals Nichts, der Titel bezieht sich auf den Tipp eines Notars, den Liza aufsucht, um ihre Situation und das Vorgehen Andres besser einschätzen zu können. Sie sollten immer etwas zurückzahlen, auch wenn es nur ganz wenig ist. Die Bank erkenne in letzter Zeit auch guten Willen an, so der Notar. Daher unternehmen Liza und Maximilian alles, um zumindest eine winzige Summe zur jeweiligen Fälligkeit abliefern zu können.
Parallel macht Andres auf seiner Reise viele neue Bekanntschaften, fällt aber nach Alkoholexzessen immer wieder in ein tiefes Loch. Per Zufall kann er eines Abends sein großes Talent zeigen. Diese Erfahrung und das Glück, das er dabei erlebt, stillen sein Fernweh und erwecken eine Sehnsucht nach seinem Hof und seiner Familie. Daher macht er sich im aufziehenden Winter auf den Rückweg nach Hause ...
Der Roman ist ein Paradebeispiel für eine reduzierte, in ihrer Schlichtheit aber sehr poetische Erzählweise. Der Regisseur Ralf Westhoff legt mit diesem Titel seinen Debutroman vor. Und dies sehr überzeugend und passend, denn auch die Lebensumstände der handelnden Personen sind schlicht und karg. Die Möglichkeiten, ihr Leben zum Guten zu wenden, sind überschaubar. Dass sie diese Möglichkeiten so beherzt einsetzen und sich letztendlich, zumindest für die Daheimgebliebenen, ein Silberstreif am Horizont zeigt, macht die Handlung mit vielen Schicksalsschlägen ein wenig tröstlich. Spannend ist sie ohnehin. Ein leises Buch, das die Entdeckung lohnt und dessen Figuren den Lesenden nachhaltig ans Herz wachsen.